Eine Pflegeplanung schreiben zu können ist die eine Fähigkeit, die in allen drei Teilen des Pflegeexamens geprüft wird: schriftlich als Aufgabe, mündlich als Begründung, praktisch als Dokument, das du vor der Prüfung abgibst. Trotzdem lernen die meisten sie nebenbei, aus Vorlagen der Station, die nie jemand erklärt hat. Dieser Artikel zeigt den Aufbau Schritt für Schritt, gibt dir Formulierungen, die Prüfer erwarten, ein vollständiges Muster zum Nachmachen und die sieben Fehler, die am häufigsten Punkte kosten.
Stand: Oktober 2026.

Wo die Pflegeplanung im Pflegeprozess steht
Der Pflegeprozess hat, je nach Modell, vier oder sechs Schritte: Informationen sammeln, Probleme und Ressourcen erkennen, Ziele festlegen, Maßnahmen planen, Maßnahmen durchführen, Wirkung bewerten. Die Pflegeplanung ist das Dokument für die Schritte zwei bis vier. Sie ist nicht die Beschreibung dessen, was du tust, sondern die Begründung, warum du es tust. Das unterscheidet sie vom Pflegebericht, der festhält, was tatsächlich passiert ist; wie der aufgebaut ist, steht im Artikel Pflegebericht schreiben.
Schritt 1: Das Pflegeproblem nach PESR

Ein Pflegeproblem beschreibt eine Beeinträchtigung, die pflegerisch bearbeitet werden kann. Es ist nie die ärztliche Diagnose. Das PESR-Schema sorgt dafür, dass nichts fehlt:
P wie Problem: Was ist beeinträchtigt? „Frau M. kann nicht sicher allein aufstehen und gehen."
E wie Einflussfaktoren (Etiologie): Woher kommt es? „…aufgrund von Schwindel bei Lagewechsel und Kraftminderung in den Beinen nach vierwöchiger Bettlägerigkeit."
S wie Symptome: Woran erkennt man es? „…erkennbar an unsicherem Stand, Festhalten an Möbeln, zwei Beinahestürzen in der letzten Woche."
R wie Ressourcen: Was kann die Person, was hilft? „Frau M. ist motiviert, nutzt den Rollator korrekt, versteht Anleitungen, Tochter besucht täglich."
Die Formulierung in einem Satz: „Frau M. kann aufgrund von Schwindel beim Lagewechsel und Kraftminderung in den Beinen nicht sicher allein aufstehen und gehen, erkennbar an unsicherem Stand und zwei Beinahestürzen in der letzten Woche." Jedes Wort darin ist in der Prüfung ein Punkt: das Problem, die Ursache, das Symptom. Wer nur „Sturzgefahr" schreibt, bekommt einen.
Schritt 2: Ressourcen, die Maßnahmen tragen
Ressourcen sind nicht Schmuck, sondern die Grundlage der Maßnahmen. Eine Maßnahme, die eine Ressource nutzt („Frau M. nutzt den Rollator korrekt"), ist stärker als eine, die nur das Problem bearbeitet. Unterscheide innere Ressourcen (Motivation, Verständnis, vorhandene Fähigkeiten) und äußere (Angehörige, Hilfsmittel, Umgebung). In der Prüfung ist eine Ressource auch ein Argument im Reflexionsgespräch: „Ich habe die Tochter einbezogen, weil sie täglich da ist und Frau M. ihr vertraut."
Schritt 3: Ziele, die sich überprüfen lassen
Ein Pflegeziel beschreibt den Zustand, der erreicht sein soll, aus Sicht der Person, mit Zeitangabe. Unterscheide Nahziel (erreichbar in Tagen) und Fernziel (Wochen). Ein Ziel ist nur dann ein Ziel, wenn du am Stichtag sagen kannst, ob es erreicht ist.
Schlecht: „Frau M. soll mobiler werden." Nicht überprüfbar, keine Zeit. Gut, Nahziel: „Frau M. steht innerhalb von drei Tagen mit Rollator und einer Hilfsperson sicher aus dem Bett auf, ohne Schwindel anzugeben." Gut, Fernziel: „Frau M. geht in zwei Wochen mit Rollator selbstständig zur Toilette und zurück, ohne Beinahesturz."
Die Formel, die Prüfer gern sehen: Wer macht was, mit welcher Hilfe, bis wann, woran erkennbar. Das Ziel gehört der Person, nicht dir: „Frau M. geht", nicht „Pflegekraft mobilisiert".
Schritt 4: Maßnahmen mit Wer, Was, Wann, Wie oft, Wie
Jede Maßnahme muss zum Ziel führen, und sie muss so konkret sein, dass eine Kollegin sie ohne Rückfrage ausführen kann. Das heißt: Wer macht es (Pflegefachkraft, Pflegehelferin, Frau M. selbst, Physiotherapie), was genau, wann (morgens nach dem Frühstück), wie oft (zweimal täglich), wie (Ablauf, Hilfsmittel, Sicherung).
Beispiel: „Pflegefachkraft mobilisiert Frau M. zweimal täglich (nach Frühstück und nach Mittagsruhe) nach dem Prinzip der Kinästhetik an die Bettkante; vor dem Aufstehen eine Minute Sitzen an der Bettkante, Schwindel erfragen; Aufstehen mit Rollator und einer Hilfsperson; Gehstrecke Zimmer bis Flur und zurück; Blutdruck vor dem ersten Aufstehen am Tag messen." Dazu immer eine Maßnahme zur Sicherheit und eine zur Information: Niedrigbett und Rufanlage in Reichweite, Frau M. über Sturzrisiko und Klingel informieren.
Begründe in der Prüfung jede Maßnahme mit einem „weil": weil der Expertenstandard Sturzprophylaxe das verlangt, weil der Lagewechsel langsam erfolgen muss bei orthostatischem Schwindel, weil die Ressource Rollator vorhanden ist.
Schritt 5: Evaluation
Zu jedem Ziel gehört ein Termin, an dem geprüft wird, ob es erreicht ist, und ein Kriterium: „Evaluation am dritten Tag: Frau M. steht mit Rollator und einer Hilfsperson auf, Schwindel nein/ja, Beinahestürze seit Planung: Anzahl." Wenn das Ziel nicht erreicht ist, wird die Planung angepasst, nicht die Person beschuldigt. Im Reflexionsgespräch der praktischen Prüfung ist genau das die Frage: Was hat funktioniert, was nicht, was änderst du?
Vollständiges Muster: Frau M., 78 Jahre, Sturzgefahr nach Bettlägerigkeit
| Pflegeproblem (PESR) | Ressourcen | Ziele | Maßnahmen | Evaluation |
|---|---|---|---|---|
| Frau M. kann aufgrund von Schwindel bei Lagewechsel und Kraftminderung in den Beinen nach vierwöchiger Bettlägerigkeit nicht sicher allein aufstehen und gehen, erkennbar an unsicherem Stand, Festhalten an Möbeln und zwei Beinahestürzen in der letzten Woche. | Motiviert, nutzt Rollator korrekt, versteht und befolgt Anleitungen, Tochter täglich anwesend, Rufanlage vorhanden. | Nahziel (3 Tage): Frau M. steht mit Rollator und einer Hilfsperson sicher aus dem Bett auf, ohne Schwindel anzugeben. Fernziel (14 Tage): Frau M. geht mit Rollator selbstständig zur Toilette und zurück, ohne Beinahesturz. | 1. PFK: zweimal täglich (nach Frühstück, nach Mittagsruhe) Mobilisation an die Bettkante nach Kinästhetik; eine Minute Sitzen, Schwindel erfragen; Aufstehen mit Rollator und Hilfsperson; Gehstrecke Zimmer bis Flur. 2. PFK: Blutdruck vor erstem Aufstehen täglich messen, bei systolisch unter 100 Rücksprache Arzt. 3. PFK/PH: Niedrigbett, Rufanlage in Reichweite, rutschfeste Schuhe, Zimmer frei von Stolperfallen, täglich prüfen. 4. PFK: Frau M. und Tochter über Sturzrisiko und Klingelnutzung informieren, Tochter in Gehübungen einbeziehen. 5. PFK: Physiotherapie-Anordnung anregen (Kraftaufbau Beine). | Tag 3: Aufstehen mit Rollator und Hilfsperson sicher? Schwindel? Beinahestürze seit Planung? Tag 14: Toilettengang selbstständig? Sturz/Beinahesturz? Planung anpassen. |
Zu einem vollständigen Fall gehören meist zwei bis vier Pflegeprobleme, hier etwa zusätzlich ein Problem zur Haut (Dekubitusrisiko nach Bettlägerigkeit) und eines zur Ausscheidung. Das Muster oben zeigt eines davon vollständig; die anderen baust du nach demselben Schema.
Die sieben häufigsten Fehler
Medizinische Diagnose als Pflegeproblem („Diabetes mellitus", „Herzinsuffizienz") statt der pflegerischen Beeinträchtigung, die daraus folgt. Problem ohne Ursache und ohne Symptome, also ohne E und S. Ziel aus Pflegesicht formuliert („Pflegekraft mobilisiert") statt aus Sicht der Person. Ziel ohne Zeit und ohne Kriterium. Maßnahme ohne Häufigkeit und ohne Ausführenden. Maßnahmen, die nicht zum Ziel passen, etwa Hautpflege unter dem Ziel Mobilität. Keine Sicherheits- und keine Informationsmaßnahme, obwohl ein Risiko im Problem steht. Und ein achter, der alle anderen auslöst: Die Planung ist aus der Vorlage für das Krankheitsbild kopiert und passt nicht zu dem Menschen, der vor dir liegt.
So übst du das
Pflegeplanungen lernt man nur durch Schreiben und Rückmeldung. Nimm in jedem Praxiseinsatz einmal pro Woche einen Menschen, den du versorgst, und schreibe seine Planung von Grund auf, ohne Vorlage. Lass sie von der Praxisanleitung lesen. Wenn niemand Zeit hat: In CuraQuiz kannst du eine Pflegeplanung als Freitext eingeben und bekommst Rückmeldung zu Aufbau, PESR, Zielen und Maßnahmen, Satz für Satz, wann immer du willst. Der Lernpfad liefert dir dazu die Fallsituationen je curricularer Einheit, die in der Prüfung typischerweise drankommen; welche das sind, zeigt der Artikel Die 11 curricularen Einheiten. Den Lernplan für die letzten zwölf Wochen findest du im Überblick zur Examensvorbereitung. CuraQuiz herunterladen.
