Die curricularen Einheiten der Pflegeausbildung sind das Gerüst, nach dem seit 2020 jede generalistische Ausbildung aufgebaut ist: elf Einheiten, CE 01 bis CE 11, festgelegt in den Rahmenlehrplänen der Fachkommission nach § 53 Pflegeberufegesetz. Die meisten Azubis kennen sie als Nummern auf dem Stundenplan. Dabei sind sie der beste Schlüssel zur Prüfung, denn die Fallsituationen im Examen entstehen aus genau diesen Einheiten. Dieser Artikel erklärt, was in jeder Einheit steckt, welche Pflegesituationen typisch sind, welche Expertenstandards dort greifen und wie du die Liste als Lernlandkarte benutzt.
Stand: Oktober 2026.

Warum die Ausbildung in Einheiten gegliedert ist
Die generalistische Ausbildung bildet für alle Altersgruppen und Versorgungsbereiche aus, Krankenhaus, Langzeitpflege, ambulante Pflege, Pädiatrie, Psychiatrie. Ein Aufbau nach Krankheitsbildern hätte das nicht abgebildet; deshalb gehen die Rahmenlehrpläne von Pflegesituationen aus, die in allen Bereichen vorkommen, und bündeln sie in Einheiten. Jede Einheit beschreibt, welche Situationen typisch sind, welche Kompetenzen entwickelt werden und welches Wissen dafür gebraucht wird. Die Reihenfolge ist eine Empfehlung; Schulen können sie anpassen, und die Einheiten werden spiralförmig über die drei Jahre vertieft. Die Stundenzahlen je Einheit legen die Rahmenlehrpläne als Richtwerte fest; deine Schule hat daraus ihr schulinternes Curriculum gemacht.
Die elf Einheiten im Überblick

CE 01: Ausbildungsstart. Pflegefachfrau oder Pflegefachmann werden. Rolle und Selbstverständnis des Berufs, erste Pflegesituationen, Pflegeprozess als Grundstruktur, Hygiene, Beobachtung, Dokumentation. Typische Situation: ein erster Kontakt mit einem Menschen, der Unterstützung bei der Körperpflege braucht. Fürs Examen die Basis für alles, was folgt: Pflegeprozess, Beobachtung, Bericht.
CE 02: Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen. Mobilität, Positionierung, Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung, Hilfsmittel, Kinästhetik. Typische Situation: Frau M. nach Bettlägerigkeit, Sturzgefahr, Unterstützung beim Aufstehen und Gehen. Expertenstandards: Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe, Erhaltung und Förderung der Mobilität, Ernährungsmanagement, Kontinenzförderung. Im Examen die häufigste Grundlage für Pflegeplanungen.
CE 03: Erste Pflegeerfahrungen reflektieren, verständigungsorientiert kommunizieren. Gesprächsführung, Beziehungsaufbau, Nähe und Distanz, Reflexion des eigenen Handelns, Umgang mit Scham und Ekel. Typische Situation: ein Mensch lehnt eine Maßnahme ab, ein Gespräch mit Angehörigen. Im Examen vor allem im mündlichen Teil und im Reflexionsgespräch der praktischen Prüfung.
CE 04: Gesundheit fördern und präventiv handeln. Gesundheitsförderung, Prävention, Beratung, Anleitung, Risikofaktoren, Gesundheitsverhalten. Typische Situation: Beratung eines Menschen mit Bluthochdruck zu Bewegung und Ernährung, Anleitung von Angehörigen. Im Examen oft als Beratungsaufgabe in der schriftlichen Prüfung.
CE 05: Menschen in kurativen Prozessen pflegerisch unterstützen und Patientensicherheit stärken. Pflege bei Diagnostik und Therapie, Medikamentenmanagement, Wundversorgung, prä- und postoperative Pflege, Patientensicherheit, Hygiene. Typische Situation: ein Mensch nach einer Operation mit Schmerzen, Wunde, Thromboserisiko. Expertenstandards: Schmerzmanagement, Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. Im Examen die zweithäufigste Fallgrundlage.
CE 06: In Akutsituationen sicher handeln. Notfälle erkennen und handeln, Vitalzeichen, Reanimation, Schock, Atemnot, Hypoglykämie, Sturz mit Verletzung. Typische Situation: plötzliche Verschlechterung, Prioritäten setzen, Arzt informieren. Im Examen als Teil von Fallsituationen („Was tun Sie zuerst?") und in der praktischen Prüfung als situativ notwendige Maßnahme.
CE 07: Rehabilitatives Pflegehandeln im interprofessionellen Team. Rehabilitation, Selbstständigkeit fördern, Zusammenarbeit mit Physio-, Ergo-, Logopädie, Sozialdienst, Entlassungsmanagement. Typische Situation: ein Mensch nach Schlaganfall, Hemiparese, Rückkehr nach Hause. Expertenstandard Entlassungsmanagement. Im Examen das interprofessionelle Handeln (Kompetenzbereich III).
CE 08: Menschen in kritischen Lebenssituationen und in der letzten Lebensphase begleiten. Palliative Pflege, Sterben, Trauer, Krisen, ethische Entscheidungen, Angehörige. Typische Situation: ein Mensch in der letzten Lebensphase, Symptomkontrolle, Angehörigenbegleitung. Im Examen häufig in der mündlichen Prüfung, weil hier ethische Begründung gefragt ist (Kompetenzbereich IV).
CE 09: Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen. Langzeitpflege, Biografie, Alltag, Teilhabe, Wohnen, Angehörige, kulturelle Vielfalt. Typische Situation: Einzug ins Pflegeheim, Tagesstruktur, Umgang mit Verlust von Selbstständigkeit. Im Examen oft verbunden mit CE 02 und CE 11.
CE 10: Entwicklung und Gesundheit in Kindheit und Jugend in pflegerischen Situationen fördern. Pädiatrische Pflege, Entwicklung, Familie, Kinderkrankheiten, Früh- und Neugeborene, chronisch kranke Kinder. Typische Situation: ein Kind mit Atemwegsinfekt im Krankenhaus, Eltern einbeziehen. Im Examen als eigene Fallsituation möglich, in allen drei Teilen.
CE 11: Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und kognitiven Beeinträchtigungen personenzentriert unterstützen. Demenz, Depression, Sucht, Psychosen, herausforderndes Verhalten, Beziehungsgestaltung, Deeskalation. Typische Situation: ein Mensch mit Demenz, der die Körperpflege abwehrt und nachts umherläuft. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz. Im Examen sehr häufig, weil hier Beobachtung, Kommunikation und Pflegeprozess zusammenkommen.
Was objektive Beobachtung in der Dokumentation heißt, besonders für CE 11, zeigt der Artikel Pflegebericht schreiben; wie eine Pflegeplanung zu CE 02 aussieht, das Muster im Artikel Pflegeplanung schreiben.
Wie die Einheiten mit der Prüfung zusammenhängen
Die Prüfung ist nach den fünf Kompetenzbereichen der Anlage 2 PflAPrV aufgebaut, nicht nach Einheiten. Aber die Fallsituationen, aus denen die Aufgaben entstehen, kommen aus den Einheiten. Eine schriftliche Aufsichtsarbeit zu Kompetenzbereich I (Pflegeprozess gestalten) nimmt zum Beispiel eine Situation aus CE 02 oder CE 05; eine Aufgabe zu Kompetenzbereich IV (Gesetze und Ethik) eine aus CE 08 oder CE 11. Wer die Einheiten als Landkarte nutzt, erkennt in der Prüfung in den ersten Sekunden, welche Situation vorliegt und welche Probleme, Risiken und Standards dazugehören. Wie die drei Prüfungsteile aufgebaut sind und wie du die zwölf Wochen davor planst, steht im Überblick zur Examensvorbereitung.
Die Einheiten als Lernplan
Für die Vorbereitung brauchst du je Einheit drei Dinge: zwei bis drei typische Fallsituationen, die du so gut kennst, dass du Pflegeprobleme nach PESR, Ziele und Maßnahmen ohne Nachdenken ableitest; die Expertenstandards und rechtlichen Grundlagen, die dort greifen; und die Begründungen, warum die Maßnahmen zu diesem Menschen passen. Das sind rund 30 Fälle für die ganze Ausbildung. Wer sie beherrscht, kann jede Prüfungsaufgabe lösen, weil jede Aufgabe eine Variante davon ist.
In CuraQuiz folgt der Lernpfad genau dieser Gliederung: elf Einheiten, je Einheit Fallsituationen, Übungen und Duelle, und zu jedem Fall die Möglichkeit, eine Pflegeplanung oder einen Bericht als Freitext zu schreiben und Rückmeldung zu bekommen. Du siehst dabei, welche Einheit sicher sitzt und welche nicht, und lernst dort weiter, wo es nötig ist. CuraQuiz herunterladen.
