Social Recruiting in der Pflege verspricht, was Jobbörsen nicht können: Pflegekräfte zu erreichen, die gar nicht suchen. Das ist die größte Gruppe, denn die meisten examinierten Kräfte haben eine Stelle und würden wechseln, wenn ihnen das richtige Angebot begegnet, aber sie öffnen keine Jobbörse, um es zu finden. Dieser Ratgeber erklärt, wie Social Recruiting funktioniert, was es wirklich kostet, wo das Geld verloren geht und wann Sie es selbst machen, eine Agentur beauftragen oder lieber eine Vermittlung nutzen sollten.
Stand: Oktober 2026.

Wie Social Recruiting funktioniert
Eine Anzeige erscheint im Feed oder in den Stories einer Pflegekraft, die nach Alter, Wohnort und Interessen ausgewählt wurde, etwa alle Personen in 25 Kilometern Umkreis, die Pflege-Seiten folgen. Die Anzeige zeigt nicht die Stellenbeschreibung, sondern einen Grund, hinzuschauen: das Gehalt, das Schichtmodell, ein Satz der Wohnbereichsleitung. Wer klickt, landet auf einer kurzen Seite oder direkt in einem Formular mit drei Feldern: Name, Telefonnummer, Qualifikation. Das ist der Lead.
Der Unterschied zur Jobbörse liegt in der Richtung. Auf der Jobbörse sucht die Pflegekraft Sie. Im Social Recruiting finden Sie die Pflegekraft, in einem Moment, in dem sie nicht an Bewerbung denkt. Deshalb muss alles danach anders sein als bei einer klassischen Bewerbung: Der Lead will keinen Lebenslauf schicken und keine Eingangsbestätigung lesen, sondern innerhalb von Stunden mit einem Menschen sprechen, der die Stelle kennt.
Was es wirklich kostet

Die Kosten bestehen aus drei Teilen, und Anbieter nennen Ihnen in der Regel nur einen davon.
Das Werbebudget geht an Meta, also Facebook und Instagram. Es wird im Auktionsverfahren berechnet: Sie konkurrieren mit allen anderen Werbetreibenden um die Aufmerksamkeit derselben Personen. Der Preis je Lead hängt deshalb von der Region, der Zielgruppe, der Jahreszeit und der Qualität der Anzeige ab. Regional ausgesteuerte Anzeigen sind teurer je Lead als bundesweite, erreichen aber die Kräfte, die tatsächlich in Fahrweite der Einrichtung wohnen. Für eine einzelne Einrichtung mit engem Umkreis ist der Preis je Lead höher, weil die Zielgruppe kleiner ist.
Die Agentur- oder Tool-Gebühr kommt dazu, wenn Sie die Kampagne nicht selbst betreiben. Agenturen rechnen eine Pauschale pro Kampagne oder Monat ab, meist mit Mindestlaufzeit, plus das Werbebudget, das durchgereicht wird. Tools, die Anzeige und Kurzbewerbung verbinden, kosten eine Monatsgebühr. Fragen Sie bei Agenturen immer, ob das Werbebudget im Preis enthalten ist oder zusätzlich anfällt, und ob die Agentur einen Anteil des Budgets als Provision behält.
Die eigene Arbeitszeit ist der Posten, der keine Rechnung erzeugt und deshalb vergessen wird. Jeder Lead muss angerufen werden, am besten am selben Tag, oft mehrfach, weil Pflegekräfte in der Schicht nicht abnehmen. Wer 40 Leads im Monat bekommt und für jeden zwei Anrufversuche und ein Gespräch rechnet, braucht dafür mehrere Arbeitstage. Fehlt diese Zeit, sind Werbebudget und Agenturgebühr verloren, weil Leads nach zwei Tagen ohne Rückmeldung nicht mehr reagieren.
Wo das Geld verloren geht
In unseren Plattformdaten zeigt sich ein Muster, das für jede Kampagne gilt: Der größte Verlust entsteht nicht bei der Anzeige, sondern danach. Zwischen dem Lead und dem Gespräch mit der Einrichtung gehen die meisten Interessenten verloren, aus drei Gründen.
Erstens die Entfernung. Pflegekräfte wechseln nicht für einen längeren Arbeitsweg, und Entfernung ist der häufigste Grund, warum ein Lead, der eine Stelle angeboten bekommt, absagt. Eine Kampagne, die bundesweit oder auf 50 Kilometer ausgesteuert ist, erzeugt Leads, die nie zu Bewerbern werden. Der Umkreis sollte dem entsprechen, was Ihre Mitarbeitenden heute fahren, meist 20 bis 25 Kilometer.
Zweitens die Antwortzeit. Ein Lead, der in der Pause aus dem Feed heraus seine Nummer hinterlässt, hat das am nächsten Tag halb vergessen. Die Rückmeldung muss am selben Tag kommen, idealerweise innerhalb einer Stunde, per WhatsApp oder Anruf, nicht per E-Mail. Wie ein WhatsApp-Kanal für Bewerbungen datenschutzkonform aufgesetzt wird, zeigt der Ratgeber Bewerbung per WhatsApp in der Pflege.
Drittens das Gespräch. Von den Gesprächen, die vereinbart werden, findet erfahrungsgemäß ein erheblicher Teil nicht statt, durch Absagen auf beiden Seiten und Nichterscheinen. Eine Erinnerung am Vortag und ein Ersatztermin per Klick holen einen Teil davon zurück. Das ist kein Social-Recruiting-Problem, sondern ein Prozessproblem, aber es entscheidet, ob die Kampagne am Ende eine Einstellung bringt.
Leads richtig bewerten
Agenturen weisen Leads aus, weil Leads die Zahl sind, die sie beeinflussen. Für Sie zählt eine andere: qualifizierte Gespräche. Rechnen Sie jede Kampagne in vier Stufen durch: Leads gesamt, davon mit der gesuchten Qualifikation, davon im Umkreis, davon im Gespräch. Eine Kampagne mit 80 Leads, von denen drei examiniert sind und im Umkreis wohnen, hat nicht funktioniert, auch wenn 80 im Bericht steht. Eine Kampagne mit 20 Leads, von denen acht ins Gespräch kommen, ist ein Erfolg.
Fragen Sie den Anbieter vor der Beauftragung, ob er nach Qualifikation filtert (examiniert, Pflegehelfer, ungelernt), ob die Leads direkt in Ihr Bewerbermanagement laufen und wer die Nachverfolgung macht. Ein Anbieter, der nur Leads liefert und die Nachverfolgung Ihnen überlässt, verkauft Ihnen den leichtesten Teil der Arbeit.
Selbst machen, Agentur oder Vermittlung
Selbst machen lohnt sich, wenn jemand in der Einrichtung Zeit und Interesse hat, sich in den Werbeanzeigenmanager einzuarbeiten, und wenn Sie laufend suchen. Die Lernkurve ist steiler als bei einer Jobbörse, aber nach zwei bis drei Kampagnen kennen Sie Ihre Zielgruppe besser als jede Agentur. Voraussetzung ist ein Bewerbermanagement mit Kurzbewerbung und WhatsApp, in das die Leads direkt laufen; was das Curawork BMS dafür mitbringt, steht auf der Produktseite.
Eine Agentur lohnt sich bei mehreren Standorten mit laufendem Bedarf, wenn niemand intern die Kampagnen betreuen kann. Achten Sie auf Mindestlaufzeit, Budgettransparenz und darauf, wer die Leads anruft.
Eine Vermittlung ist die richtige Wahl für die einzelne, dringende Stelle. Sie kostet nur im Erfolgsfall, bindet keine Arbeitszeit und bringt keine Leads, sondern Kandidaten, die bereits gesprochen und geprüft sind. Viele Einrichtungen kombinieren: Social Recruiting für den laufenden Zufluss, Vermittlung für die Stelle, die seit Monaten offen ist. Was eine offene Stelle Monat für Monat kostet, rechnet der BMS-Rechner.
Was eine gute Social-Recruiting-Anzeige ausmacht
Die Regeln sind dieselben wie für die Stellenanzeige, nur strenger, weil Sie drei Sekunden Aufmerksamkeit haben. Das Gehalt als Zahl oder Spanne in der ersten Zeile. Das Schichtmodell und die Dienstplanverlässlichkeit, weil das die Gründe sind, aus denen Pflegekräfte wechseln. Ein echtes Foto aus der Einrichtung statt Stockbild, ein Name statt einer Abteilung. Ein Formular mit drei Feldern, keine PDF-Pflicht. Und ein Umkreis, der zur realen Fahrzeit passt. Wie die Stellenanzeige dahinter aussehen sollte, zeigt der Ratgeber Stellenanzeige Pflege schreiben.
Was nicht funktioniert: „Wir suchen Verstärkung für unser Team", Stockfotos von lächelnden Pflegekräften, die es in der Einrichtung nicht gibt, und ein Link auf die Karriereseite mit Formular für Anschreiben und Lebenslauf.
Das Curawork BMS für Pflege und GesundheitswesenWeiterlesen
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 32 „Fachkräfte bleiben knapp" (02.09.2026); Curawork-Plattformdaten (Absagegründe, Gesprächsquoten).
