Ein ATS für die Pflege, ausgeschrieben Applicant Tracking System, ist das, was in Deutschland meist Bewerbermanagementsystem oder BMS heißt: die Software, in der Bewerbungen ankommen, bearbeitet, beantwortet und ausgewertet werden. Der Begriff ATS kommt aus dem englischsprachigen Markt und steht dort für Systeme, die hundert Bewerbungen auf zehn filtern. In der Pflege ist die Aufgabe umgekehrt: aus drei Interessenten drei Gespräche machen. Deshalb taugen die üblichen ATS-Checklisten nicht. Diese hier ist für Pflegeeinrichtungen gebaut, mit 15 Punkten, die Sie beim Anbieter abhaken können, den Fragen, die Sie stellen sollten, und den Fallen im Vertrag.
Stand: Oktober 2026.

Was ein ATS in der Pflege leisten muss
Pflege- und Gesundheitsberufe gehören laut Bundesagentur für Arbeit zu den Berufsgruppen mit den stärksten Fachkräfteengpässen; für 2025 zählt die BA 157 Engpassberufe (BA, Presseinfo Nr. 32 vom 02.09.2026). In diesem Markt bewirbt sich niemand, der nicht muss, und niemand wartet. Die typische Bewerberin ist examiniert, hat eine Stelle, bewirbt sich vom Handy in der Pause und antwortet nicht auf eine Eingangsbestätigung, die drei Tage später kommt.
Ein ATS muss deshalb vor allem eines tun: den Weg von der ersten Reaktion bis zum Gespräch so kurz und so schnell machen, dass die Bewerberin noch da ist, wenn die Pflegedienstleitung Zeit hat. Alles, was in der Checkliste steht, dient diesem Ziel. Was die verschiedenen Tool-Kategorien darüber hinaus leisten, zeigt der Ratgeber Recruiting-Tools für die Pflege.
Die 15-Punkte-Checkliste

Bewerbungsweg
- Kurzbewerbung ohne Lebenslauf. Name, Telefonnummer, Qualifikation, fertig. Unterlagen werden im Gespräch oder danach nachgereicht. Jedes Pflichtfeld mehr kostet Bewerber.
- Bewerbung vom Smartphone in unter zwei Minuten. Testen Sie es selbst, mit Ihrem eigenen Handy, auf einer Ihrer Stellen. Zählen Sie Felder und Minuten.
- WhatsApp als Bewerbungs- und Antwortkanal, über die WhatsApp Business Platform mit Auftragsverarbeitungsvertrag, nicht über die App auf einem Diensthandy. Wie das datenschutzkonform geht, erklärt der Ratgeber Bewerbung per WhatsApp in der Pflege.
- Automatische Erstantwort in Minuten, personalisiert und mit dem nächsten Schritt, nicht „Ihre Bewerbung ist eingegangen".
- Termin-Selbstbuchung für das erste Gespräch mit Erinnerung am Vortag und Ersatztermin per Klick. Erfahrungsgemäß findet ein erheblicher Teil der vereinbarten Vorstellungsgespräche nicht statt; die Erinnerung ist der billigste Hebel dagegen.
Reichweite
- Multiposting mit BA-Jobbörse und Google for Jobs, beide kostenlos. Fragen Sie, ob die Anzeigen automatisch mit strukturierten Daten ausgezeichnet werden und ob die BA-Jobbörse direkt angebunden ist. Details im Ratgeber Multiposting für Pflegeeinrichtungen.
- Gehaltsangabe in der Anzeige und in den strukturierten Daten. Bewerber filtern danach, Google for Jobs zeigt es an.
Organisation
- Standorte und Rechte getrennt. Die Pflegedienstleitung sieht ihr Haus, die Regionalleitung alle, die Verwaltung nur Verträge. Bei einem Standort unwichtig, ab dem zweiten Pflicht.
- Erinnerungen bei liegengebliebenen Bewerbungen, nach einem Tag ohne Bearbeitung, an die zuständige Person und an deren Vertretung.
- Auswertung je Stelle und Standort: wie viele Bewerbungen, wie lange bis zur ersten Antwort, wie lange bis zur Besetzung. Ohne diese Zahlen wissen Sie nicht, ob das System etwas bringt. Was eine kürzere Besetzungszeit wert ist, rechnet der BMS-Rechner.
- Absage- und Zusagevorlagen, die in zwei Klicks rausgehen, mit Platzhaltern für Name und Stelle. Bewerber, die nie eine Absage bekommen, bewerben sich nicht noch einmal.
Recht und Datenschutz
- Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, Serverstandort in der EU, Löschfristen einstellbar (sechs Monate nach Absage ist die übliche Frist wegen AGG-Ansprüchen).
- Unterlagen für Betriebsrat, Personalrat oder MAV: Verfahrensbeschreibung, Protokollierung, welche Mitarbeiterdaten das System verarbeitet. Kirchliche Einrichtungen brauchen einen Anbieter, der KDG oder DSG-EKD kennt.
- Bei KI-Funktionen: eine Datenschutz-Folgenabschätzung liegt vor oder wird gemeinsam erstellt, die KI-Funktion lässt sich abschalten. Wie eine DSFA für KI im Recruiting aussieht, zeigt der Ratgeber DSFA für KI-Recruiting.
Vertrag
- Gesamtkosten für zwölf Monate mit Setup, Schnittstellen, Modulen und Jobbörsenbudget auf einem Blatt, Kündigungsfrist maximal drei Monate nach der ersten Laufzeit. Die Preismodelle und ihre Fallen erklärt der Ratgeber Was kostet Recruiting-Software für die Pflege.
Wenn ein Anbieter die Punkte 1 bis 5 nicht erfüllt, ist der Rest egal. Wenn er 12 bis 14 nicht innerhalb einer Woche belegen kann, ist er für das Gesundheitswesen nicht gemacht.
Zehn Fragen an den Anbieter
Die Funktionsliste beantwortet nicht, ob das System zu Ihrer Einrichtung passt. Diese Fragen schon.
Wie viele Pflegeeinrichtungen nutzen das System heute, und dürfen wir mit einer sprechen? Wie lange dauert die Einrichtung bis zur ersten veröffentlichten Stelle, und wer macht die Arbeit, Sie oder wir? Was passiert mit einer Bewerbung, die zwei Tage niemand öffnet? Was kostet ein weiterer Standort, ein weiterer Nutzer, eine weitere Stelle? Welche Schnittstellen gibt es zu unserem Personalsystem und Dienstplan, und was kosten sie? Wie bekommen wir unsere Daten heraus, wenn wir kündigen? Welche Funktionen liegen in der nächsthöheren Stufe, die wir im ersten Jahr brauchen werden? Wer ist unser Ansprechpartner nach dem Verkauf, und wie schnell antwortet der Support? Was ändert sich im Preis nach der ersten Laufzeit? Und: Können Sie uns heute eine Testbewerbung vom Handy aus zeigen?
Die letzte Frage ist die wichtigste. Ein Anbieter, der dafür erst einen Termin braucht, hat die Bewerberperspektive nicht im Blick.
Vertragsfallen
Die Mindestlaufzeit ist selten das Problem, die automatische Verlängerung um ein weiteres Jahr bei drei Monaten Kündigungsfrist schon. Achten Sie darauf, dass die Verlängerung monatlich läuft oder die Frist kurz ist.
Preisanpassungsklauseln erlauben vielen Anbietern eine jährliche Erhöhung ohne Zustimmung. Lassen Sie sich die Klausel zeigen und eine Obergrenze eintragen.
Setup-Gebühren, die als „Onboarding-Paket" erst im Angebot auftauchen, nachdem der Monatspreis besprochen wurde, sind verhandelbar, aber nur vor der Unterschrift.
Jobbörsenbudget, das über den Anbieter läuft, enthält häufig eine Marge. Fragen Sie, ob Sie Jobbörsen auch direkt buchen können, und zu welchen Konditionen der Anbieter einkauft.
Datenexport beim Wechsel ist der Punkt, an dem Einrichtungen später festsitzen. Ein Export aller Bewerberdaten in einem lesbaren Format muss im Vertrag stehen, kostenlos.
Welche Datenschutz-Unterlagen Sie vor der Unterschrift brauchen
Vier Dokumente gehören auf den Tisch, bevor Sie unterschreiben: der Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit Liste der Unterauftragnehmer und Serverstandorten; die technisch-organisatorischen Maßnahmen (TOM) des Anbieters; eine Verfahrensbeschreibung für Ihr Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30; und, wenn das System Mitarbeiterhandlungen protokolliert oder KI einsetzt, die Unterlagen für die Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG beziehungsweise MAVO oder MVG-EKD. Kirchliche Träger ergänzen den AV-Vertrag nach § 29 KDG oder § 30 DSG-EKD. Mehr dazu im Ratgeber Betriebsrat und KI im Recruiting.
Ein Anbieter, der diese Dokumente nicht vorliegen hat, sondern „gern erstellt", hat sie noch bei keinem Kunden im Gesundheitswesen gebraucht. Was das Curawork BMS in diesem Punkt mitbringt, steht auf der Produktseite.
Das Curawork BMS für Pflege und GesundheitswesenWeiterlesen
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 32 „Fachkräfte bleiben knapp" (02.09.2026); DSGVO Art. 28, 30, 35; BetrVG § 87; KDG § 29, DSG-EKD § 30; AGG § 15 Abs. 4; Curawork-Plattformdaten (Gesprächsquoten).
